AUPAIR

English text
Finnischer Jugenstilboden, Helsinki, Finnland

Hier in Finnland sind Halbtagsjobs selten. Ein Umstand, der nach sich zieht, dass überdurchschnittlich viele Familien die Hilfe eines Aupairs benötigen. Da ich nicht wusste, was mich auf der Website, die mir für das Suchen der Aupairfamilie empfohlen wurde, erwartete – ich war seit meinen Couchsurfing- und Woofingerfahrungen vorsichtiger geworden – schrieb ich direkt fünf oder sechs verschiedene Familien an. Alle antworteten mir innerhalb der nächsten drei Tage. Mit zweien nahm ich weiteren Kontakt auf. Beide wirkten sympathisch, unaufgeregt und frei gerade heraus. Die eine Familie lebte vor Turku auf dem Archipelago (AUF EINER INSEL!), sprach vorwiegend Schwedisch und hatte noch nie ein Aupair, die andere lebte in Vantaa, dass ist die Region nördlich von Helsinki.

Der zweiten Familie war vor ein paar Wochen das Aupair davon gelaufen und sie waren bereit mich ab sofort für drei Monate bei sich aufzunehmen. Ich war direkt hellhörig geworden, das Aupair war ihnen davon gelaufen? Vielleicht waren das furchtbare Menschen? Beim Telefonat wirkten sie jedoch sehr sympathisch. Die Mutter am PC im Gespräch mit mir und der Vater dabei, die Kinder ins Bett zu bringen. Was am Ende ausschlaggebend dafür war, dass ich mich für diese Familie entschied, war außer dem zufällig perfekten Timing, die super klare Kommunikation. Meine Aufgaben und Arbeitszeiten waren deutlich umrissen und in der Unterhaltung stellte sich heraus, dass sie in meinem Sinne dachten. Es ging ihnen nicht darum, das meiste aus mir heraus zu holen und dadurch eventuell anfallende Kosten zu sparen, sondern darum, die Lücke zu füllen, die sie selbst nicht mehr schließen konnten. Ich war die Lösung zu einem Problem. Die Mama und der Papa konnten nicht rechtzeitig zu Hause sein um die Kinder zu ihren Aktivitäten zu fahren. Da sie auf dem Land wohnten, war ohne Auto kein Fußball, Leichtathletik, Schlagzeug, Musiktheorie oder Bandprobe für die Kinder möglich. Um den Kleinen alle Möglichkeiten zu eröffnen, brauchten sie einen Chauffeur. Falls ihr mich kennt, lacht nicht! Seit ihr mich das letzte mal Auto fahren gesehen habt, habe ich viel gelernt.

Mir dämmerte, dass das vielleicht genau das Richtige wäre. Ich würde die Lösung eines Problems außerhalb meines eigenen kleinen Kopfes sein. Ich würde außerdem drei Monate Zeit haben, meinen inneren Schweinehund zu überwinden und das entsprechende Visum zu beantragen, würde Weihnachten in Finnland verbringen (mega Bonus!) und Zeit haben, mich in Routinen wohl zu fühlen. Mein nächster Stop würde Helsinki sein. Dort würden wir uns treffen und weitersehen. Im Herzen war meine Entscheidung schon gefallen. Das würde ich ausprobieren.

Write a comment

Comments: 0