SEWAN SEE

English text
Sewan See, Sewanawank, Armenien

Am Sewan See bleibe ich genau vier Stunden. Dann beschließe ich entgegen meines ursprünglichen Planes weiterzuziehen. Eigentlich wollte ich hier zwei Nächte wild campen, den spektakulären Sonnenauf und -untergang an diesem einmaligen Ort auskosten, mir Zeit nehmen und durchatmen. Wie in Georgien. In Armenien soll das problemlos gehen, aber ich fühle mich nicht sicher. Dauernd wird mir durch das Gehupe fremder Männer deutlich gemacht, dass ich gesehen werde. Ständig will mir jemand „helfen“ und was für reisende Männer und Pärchen unter dem Begriff „Gastfreundschaft“ oder „Hilfe“ läuft, wird bei allein reisenden Frauen ganz schnell zur Belästigung. Jeder Kontakt fängt gastfreundlich an, das ist hier einfach so, aber zu oft mündet dieser in unangenehmen Diskussionen und Beleidigungen.

Read More 0 Comments

ALAVERDI, SANAHIN, HAGHPAT

English text
Kloster Sanahin, Alaverdi, Armenien

In Georgien setzte ich mich in eine Mashrutka nach Jerewan und drei Stunden später steige ich in Alaverdi aus. Alaverdi ist eine kleine Stadt im Norden Armeniens. Sobald ich aus dem Bus aussteige, merke ich, das hier ein anderer Wind weht. Alle schauen mich an und in kürzester Zeit haben mich vier der ungefähr zehn Taxifahrer am Platz gefragt, wo ich hin will. Ich wimmle sie ab, tausche Geld, kaufe Obst und gehe in einen Handyladen. Dort treffe ich auf eine (der insgesamt vier) Armenierin in dieser Stadt, die perfektes Deutsch spricht. Sie versorgt mich mit der richtigen Simkarte und gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Wieder auf dem Hauptplatz, stürzen sich die Taxifahrer erneut auf mich. Für sie ist es ungeheuerlich, dass ich Bus fahren möchte, kein Taxi. Schließlich bin ich Europäerin und damit ist es meine Pflicht so viel Geld wie möglich auszugeben. Zu Beginn habe ich die Angebote noch freundlich lächelnd abgewiesen, doch nun setze ich eine entschlossene Miene auf und starre den Männern unfreundlich ins Gesicht. Ich ignoriere sie schließlich einfach. Ich habe keine Lust mehr, freundlich zu sein.

Read More 0 Comments

EIN NEUER ANFANG

English text
Blumenvielfalt auf 2.000 Metern, Kazbegi, Georgien

Georgien. Der Kaukasus beginnt hier von einer Sekunde auf die andere. An der Stelle, an der mich mein russischer Taxifahrer abgesetzt hat, ist das Tal noch breit und die Berge sehen aus wie schmächtige Halbwüchsige. Der Grenzübertritt nach Georgien liegt einen Kilometer südlich in der Kerbe einer mächtigen Schlucht. Die Dreitausender steigen zu allen Seiten selbstbewusst in die Höhe und gebieten Ehrfurcht. Anstelle von Militär wird die Grenze hier von einem großen Mönchskloster bewacht. Dort mache ich meine erste Pause und gratuliere mir zum Landeswechsel. Schon lange bin ich dazu übergegangen auch kleine Etappen zu feiern. Manchmal ist der Weg im Kopf so viel weiter als die tatsächlichen Kilometer.

Read More 0 Comments

BALAKLAWA

English text
Balaklawa, Krim, Russland

Balaklawa ist ein kleiner Küstenort, ehemaliger Militärstützpunkt und Touristenparadies. Die alten Herren sitzen mit Hut am Hafen, halten die Angel in das türkisblaue Wasser und rufen sich von Zeit zu Zeit etwas zu. Die Menschen hier sind schön. Wie die Landschaft sind sie Meisterwerke der Zeit. Im Hafen liegen Jachten aus Amerika, Europa und Russland. Wie immer wissen die Reichen dieser Erde genau, wo es sich zu leben lohnt. Die Küste ist bergig und zerklüftet. Das Land fällt in Klippen ins tiefblaue ruhige Meer, das gelbe vertrocknete Gras schaukelt mit den Kornblumen in der Abendsonne und die Grillen zirpen um die Wette.

Read More 0 Comments

AUSBRECHEN

English text
Khanpalast von Bachtschyssaraj, Krim, Russland

Nach drei Wochen habe ich zwei Tage Pause. Zwei meiner Kollegen bringen die Kinder zurück nach Moskau, zwei weitere bleiben mit mir zusammen vor Ort. Außer uns Betreuern bleiben zwei Mädchen für die zweite Runde unseres Camps auf der Insel. Da die meisten vor allem im Sinn haben lange zu schlafen und gut zu Essen, schleiche ich mich morgens um halb acht vom Camp und springe in den Bus in die nächste Stadt. Ich will mehr sehen von der Insel.

Read More 0 Comments

SOVIET SOMMERCAMP

English text
Speaking Club, Krim, Russland

Hier im Camp ist die Zeit stehen geblieben. Die Holzbänke werden nach wie vor mit derselben fröhlichen Farbe gestrichen wie zu Soviet Zeiten. Dieselben Menschen verrichten die immer gleichen Sommerjobs. Sie sind braungebrannte meist ältere Menschen, deren Haut wie Leder an ihren Körpern haftet. Ich glaube sie sind Einheimische, aber da ich bisher noch nicht sehr viel mehr als das Camp von der Insel gesehen habe, weiß ich es nicht. Wie die Russen sind sie zunächst unfreundlich und beharren auf den abstrusesten Regelungen. Einige davon bringen mich fast zum Heulen vor Lachen. So zum Beispiel diese Regeln: nur zehn Kinder dürfen gleichzeitig ins Meer, nach 10 Minuten werden sie wieder heraus gepfiffen; Wasser trinken ist nicht so wichtig bei 35 Grad; die Kinder müssen in Zweierreihen zum Essen laufen. An allen Ecken und Enden wird gespart. Das Mittagessen sind überkochte Nudeln mit Wurst stücken, Reiseintopf mit so etwas wie Lammfleisch oder Buchweizen mit Fleisch und einem kleinen bisschen Soße. Manchmal gibt es noch einen großen Teller Suppe und den Jackpot zieht man, wenn es gefüllte Pieroschki gibt. Eine Art russisches Teilchen (dem Mainzer Sprech treu bleibend).

Read More 0 Comments

SANKT PETERSBURG

English text
Sankt Petersburg, Russland

Der dritte Tag war ganz der Erkundung der Stadt gewidmet. Es war immer noch bitter kalt. -25 ° C und ich hatte Mühe meine Gliedmaßen lebendig zu halten. Meine Nasenflügel fühlten sich zwischenzeitlich an wie mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Ein komisches Gefühl. In den Schaufenstern kontrollierte ich regelmäßig, dass sich kein Eiszapfen an meiner Nase bildet. Meine Wangen, Nase und Hände waren von der Kälte knallrot und im Laufe des Tages begann ich ernsthaft zu überlegen, mich einfach in mein Bett zu legen. Ich widerstand dieser paradiesischen Träumerei und ging weiter. Schließlich hatte mich die Idee besonders gereizt, diese Stadt im Winter zu besuchen.

Read More 0 Comments

TAMPERE

English text
Graffiti in Tampere, Finnland

Tampere besuchte ich nur, weil mir so viele erzählt haben, dass ich diese Stadt nicht verpassen dürfe. Meine touristische Exkursionswut hatte ich bereits in anderen Orten ausgetobt und erwartete nicht, dass ich hier noch einen mir unbekannten Aspekt des Finnischen Lebens entdecken würde. Inzwischen hatte ich einige Male das Gefühl gehabt immer wieder sehr ähnliches zu sehen und mich trieb die Neugier eher in die Landschaften des Nordens als in eine Großstadt im südwestlichen Finnland. Da ich jedoch gelernt hatte, meinen Finnen zu glauben, wenn sie etwas empfahlen, fuhr ich brav in die Stadt: dem Manchester Finnlands.

Read More 0 Comments

PORVOO

English text
Weihnachtsmarkt von Porvoo, FInland

Porvoo liegt eine Stunde östlich von Helsinki. Mit fünfzigtausend Einwohnern ist sie unter den zwanzig bevölkerungsstärksten Städten Finnlands. Sie ist besonders reizvoll, weil sie ein relativ großes Areal von alten Holzhäusern hat, eine Altstadt samt Rathaus und Dom. Nach Turku ist sie die zweitälteste Stadt Finnlands. Durch sie fließt der Fluss Porvoonjoki, der, als ich dort war, reizvoll gefroren war und unter der Eisschicht sang. Waalähnliche Klänge hallten über den Fluss wie ein elektronisch verzerrter und stark hallender Didgeridoo.

Read More 0 Comments

ROVANIEMI

English text
Brücke über dem gefrorenen Fluss Kemijoki, Rovaniemi, Finnland

In meinen letzten Wochen in Deutschland, hatte mich ein guter Freund auf eine Kino Zelle in Rovaniemi hingewiesen. Rovaniemi ist eine Stadt im Norden Finnlands, am südlichen Rand von Finnisch Lappland, am nördlichen Polarkreis. Hier wird es im Winter früh dunkel und spät hell. Außerdem ist es verdammt kalt. Ich besuchte ein Festival, ein KinoKabaret. Das ist ein Workshop, bei dem Kurzfilme gedreht werden. Eine Kino Zelle ist eine Gruppe von Kurzfilmenthusiasten, die sich ein paar Mal im Jahr treffen, um in kurzer Zeit Filme zu realisieren. Wenn es ein Treffen gibt (ein sogenanntes KinoKabaret), wird es im Internet verbreitet und wer möchte, kann kommen. Es gibt sie überall auf der Welt. Wann immer es mir möglich ist, werde ich an solchen Treffen teilnehmen. Falls ihr mehr wissen wollt, lest dies, dies, oder jenes.

Read More 0 Comments

HELSINKI

English text
Helsinki harbor, Finnland

Mit dem Zug fuhr ich von Turku nach Helsinki. Dort fielen mir direkt die Spielabteile für die Kinder auf. Vor jeder Treppe gab es ein Kindergitter und der kleine Spielplatz (!) im Abteil bestand aus einer Rutsche und einigen fest installierten Spielmöglichkeiten. In dem Zug mit dem ich fuhr, gab es in jedem Wagen ein solches Abteil, nicht wie in Deutschland wo man mit etwas Glück eine kleine Glasschachtel für drei Erwachsene und 2,5 Kinder in einem Zug für 750 Leute hat. Mit jedem Ticket kam eine Platzreservierung. Der Zug fühlte sich fast leer an, da jeder brav auf seinem Platz saß. Diese geordnete Ruhe, gefiel mir ganz gut. Die Finnen schienen ein Volk ganz nach meinem Herzen zu sein. Niemand setzte sich zu mir oder versuchte gar ein Gespräch anzubandeln. Der Schaffner wies mich freundlich darauf hin, dass ich einen Wagon weiter musste: richtige Sitznummer, falscher Wagen. Es schien ihm wichtig zu sein, also packte ich meine sieben Sachen wieder zusammen und watschelte in den nächsten Wagen. Solange man den Regeln folgte, war Finnland großartig.

Read More 0 Comments

TURKU

English text
Flussufer, Turku, Finnland

Finnland. Ich war da. Hier würde ich mir eine Alternative organisieren müssen, endlich neue Tatsachen schaffen. Das letzte Land bevor ich die Sicherheit Europas und fürs erste meinen Kulturkreis verlassen würde. Mir wurde klar, dass in diesem Grenzübertritt eine der größten Hürden steckte. Ich hatte bereits einige Male am eigenen Leib gespürt, wie es war, wenn niemand eine Sprache verstand, die der meinen auch nur ähnlich war. Aber das machte mir nicht ganz so viele Sorgen wie meine Unwissenheit bezüglich der weiteren mir unbekannten Regeln und Konventionen. Ich schwankte zwischen der Angst vor der Fremde, vor dem größten Land der Welt, dem Herrschaftsgebiet Putins, und der Gewissheit, dass auch hinter der Grenze Europas Menschen lebten mit denselben Bedürfnissen wie hier. Ich stand vor der Aufgabe, nun alles das anzugehen, was ich immer lapidar und cool mit den Achseln zuckend abgetan hatte. Erst einmal müsste ich ja den Weg bis ganz in den Norden bewältigen.

Read More 0 Comments

DAS ARCHIPEL: SVARTSÖ

English text
Willkommen in Svartsö, Schweden

Das Allerschönste an meinem Aufenthalt in Schweden war der Besuch des Archipels. Inseln haben es mir angetan. Hier sah ich zum ersten Mal die Natur, die mir in den nächsten Monaten so vertraut werden sollte. Der Norden mit seinen Granitböden, den Holzschuppen, dem Moos und den häufigen und teilweise absurd großen Felsbrocken, die so typisch sind. Raus zu kommen auf die Inseln, war gar nicht so einfach. R. und ich brauchten zwei Anläufe, aber am Ende hatten wir es geschafft. Die Überfahrt war nass, der Tag war nass, und am Ende war auch ich nass. Nass, kalt und zufrieden. Wer hätte das gedacht.

Read More 1 Comments

STOCKHOLM

Stadshus, Stockholm (Ratshaus), Innenhof, Schweden, November

R. und ich hatten ein niedliches kleines AirBnB gebucht, was etwas außerhalb in einer sehr schönen Gegend gelegen war. Nacka Strand. Uns war vor allem wichtig, dass wir einen gemütlichen Platz zum Kochen hatten. Wir schliefen in einem ausgebauten Schuppen, vor einem alten schwedischen Haus. Die Einrichtung war männlich, es war trocken und warm, die Schlafgelegenheiten waren gemütlich und die Küche funktionstüchtig. Unsere Gastgeber waren nett und hilfsbereit. AirBnB bewährte sich einmal mehr. Stockholm begrüßte uns mit einer soliden grauen Wolkenwand und es regnete die ersten drei der vier Tage durch. Nur am letzten Tag bekamen wir die Sonne überhaupt zu sehen, was uns einen kleinen Vorgeschmack auf Stockholm im Sommer gab. Bezaubernd.

Read More 2 Comments

TALLINN

English text
Auf der mittelalterlichen Stadtmauer von Talinn, Estland.

Zurück nach Estland...

 

In Tallinn wußte ich zunächst mal wieder nichts mit mir anzufangen. Die Stadt war schön und die Menschen nett. Mein AirBnB war super. Ich hatte ursprünglich vor CouchSurfing zu machen, da ich dachte, dass ein wenig Gesellschaft vielleicht meine Unruhe vertreiben könnte. Die Menschen die ich angeschrieben hatte, waren alle anderweitig verplant und so musste ich die Stadt auf eigenen Beinen erkunden. Ich war nicht ehrlich traurig darum. Mir dämmerte bereits, dass eine weitere Begegnung nicht mein Problem lösen würde. Jedoch wusste ich auch, dass mir die Hände vorerst gebunden waren, da ich in Stockholm verabredet war und erst in Finnland große Veränderungen heraufbeschwören konnte. Ich konnte in Tallinn noch keine wirkliche Lösung formulieren. Ich wusste, dass ich in Russland AuPair machen wollte, aber noch nicht wie ich ein Visum oder eine Familie organisieren konnte. Zwar kannte ich die einschlägigen Internetseiten, jedoch waren die Angebote aus Russland dort rar. Außerdem war ich mir ganz und gar nicht sicher, dass das AuPair meine Probleme lösen würde... Ich fand mich damit ab, nichts ändern zu können und machte vorerst weiter wie zuvor. Ich begann die Stadt zu erkunden.

Read More 0 Comments

KURESSARE

English text
Das Ufer in Kuressare, Saaremaa, Estland, bei klarem Himmel.

Diese Insel war ein unglaublich schöner Ort. Es gab alles, was ich zum Leben brauchte und noch viel mehr. Meine Gastgeber bemühten sich rührend um mich und gaben mir alle erdenklichen Tipps. Das Ende des Herbstes war hier bereits spürbar, das Licht hatte eine winterliche Qualität und die Nächte waren bitterkalt und sternenklar. Der Lebensrhythmus, der durch das Feuer diktiert wurde, verlor seine Anziehungskraft die ganzen sieben Tage nicht. (Ich muss, muss, muss wiederkommen.)

Read More 3 Comments

PANGA PANGA

English text
Ein Gürtel von Miniinseln umringtdie Insel Saaremaa, Estland, man nennst sie den Hofstaat von Saaremaa

Ich bin zu Fuß in die nächste Stadt gelaufen: 6,9 Kilometer. Das hätte ich noch vor vier Wochen nie und nimmer freiwillig gemacht. Ich hatte nur eine Stunde für den Weg gebraucht, in Polen waren es für dieselbe Entfernung noch drei! Naja, eine Stunde war trotzdem noch 6 Minuten mehr, als ich berechnet hatte und somit kam ich für meinen Bus zu spät. Hier auf der Insel kamen die Busse pünktlich oder zu früh, wurde mir gesagt. Ich lief also nur noch pro forma zur Bushaltestelle, aber siehe da. Dort stand er. Der Bus nach Panga. Ich stieg ein, der Busfahrer sprach super Englisch (nach Polen und Litauen bin ich immer überrascht, wenn ältere Herrschaften des Englischen mächtig sind) und sogar ein paar Brocken Deutsch. Offensichtlich freute er sich über mich, die ich so einsam und alleine zur Klippe strebte. Das war wohl eine Seltenheit. Als ich ankam, verstand ich warum...

Read More 0 Comments

SIGULDA & KRIMULDA

English text
Hubschrauber über dem Gaujatal, Lettland

Sigulda ist ein kleines Städtchen, von dem aus man das Gaujatal, Teil eines der zahlreichen lettischen National Parks, gemütlich erkunden kann. Dort wohnte ich in einem AirBnB, welches demnächst wohl ein Hostel werden wird, denn das Wohnhaus wurde eifrig umgebaut. Mein Zimmer war riesig und beherbergte zwei Doppelbetten. Da ich an einem Wochenende da war, hatte ich die Freude, dieses im Sommer sehr touristische Gebiet nur mit den einheimischen Wochenendtouristen teilen zu müssen. Die Bäume standen in allen Herbstfarben und das Gaujatal zeigte sich von der besten Seite. Hier gab es Gondeln, Wanderwege, schöne alte Holzhäuser, alte Sommersitze und einen Erlebnispark. Mit etwas Zeit könnte man hier eine ganze Menge erleben, wenn man Freude an Aktivurlauben hätte. (Der einzige Aktivurlaub der mir Freude macht ist Skifahren.) Ich hielt mich an die kleinen Cafés und Bäckereien, in denen man für 50 Cent süße und salzige Teilchen bekam (die dazu noch vorzüglich schmeckten) und machte mich auf den Weg in den Wald. Hier standen alte Bäume, schöne Ruinen und Pilze, Pilze, Pilze. Dazu gab es noch einige Schlösschen und Burgen anzuschauen.

Read More 0 Comments

GDYNIA

English text

Beim Reisen gibt es Orte, die man ohne die Führung eines Einheimischen nicht besuchen würde. Gdynia ist so ein Ort. Es war ein Teil der Trójmiasto (polnisch für Dreistadt), bestehend aus Gdansk, Gdynia und Stopol. Es bestand aus einer schönen Küste, mit einem Strand wie aus einem Bilderbuch. Hier war einmal das Sommerzentrum der Region, zumindest sah es danach aus. Die Sonne ging hinter dem Land unter, wodurch das rote Licht den blauen Himmel anstrahlte. Da es keine Wolken gab, oder nur wenige, verlor sich der dramatische Effekt des untergehenden Feuerballs im leicht violetten Horizont. Es hätte spektakulär sein können und es fühlte sich an, als wären alle Zutaten eines magischen Abends zusammengekommen, aber wider Erwarten vor Ort verpufft.

Read More 0 Comments

GDANSK

English text
Reflektion des Riesenrads in Gdansk

In Swinouscjie stieg ich in den Zug nach Gdansk. Ich fuhr in Küstennähe einmal quer durch Polen. Ich wusste, dass ich hier eine ganze Menge verpasste. Ich hatte jedoch das Gefühl, jederzeit nach Polen reisen zu können, auch wenn ich älter sein würde, Kinder hätte oder anderweitig eingeschränkt wäre. Ein wenig merkwürdig war diese Überzeugung schon. Schließlich war dies das erste Mal, dass ich unser Nachbarland besuchte. Es war wunderschön und voller Wald. Der Zug war unglaublich günstig, schnell und bequem. Die Bahnhöfe waren entweder sowjetisch, wie es sie auch in Ostdeutschland gibt, oder aus Holz geschnitzt. Sie waren auf alt gemacht, jedoch meistens blitzneu. Man bekam ein Gefühl dafür, wie es früher gewesen sein musste.

Read More 4 Comments

ŚWINOUJŚCIE

English text
Windmühle am äußersten Zipfel des Strandes in Swinouscie.

Zum ersten Mal auf dieser Reise, direkt zu Beginn, realisiere ich, dass man sich Sachen vornimmt und sie dann realisiert. Ich hatte einen Traum, plante ihn und jetzt lebe ich ihn. Ich musste ein Lachen zurückhalten, als ich am Seebad Ahlbeck am Strand ankam. Wie bei so vielen anderen Menschen stieg die Euphorie in mir auf, als ich das Meer hinter der Düne entdeckte. Der weiße Ostseestrand und die drachensteigenden Kinder in gelben Regenmänteln waren wie aus einem Bilderbuch. Ein nicht abbrechender Strom von deutschen Rentnern wandelte in der Brandung und die Möwen schrien. Der Sand war göttlich weiß und warm.

Read More 2 Comments

HELGOLAND

English text
Hafen Helgoland Fischernetze

Für drei Tage bin ich mit meiner Oma zusammen nach Helgoland gereist.Ihr Vater ist auf der Insel aufgewachsen und auch meine Oma war im Sommer häufiger mit ihren Kindern zu Besuch bei ihrer Tante. Meine Mutter scheint das damals nicht weiter beeindruckt zu haben, soweit ich zurückdenken kann, war sie immer wild darauf, im Sommer nach Frankreich zu fahren. Die deutsche Küste, ob Ost- oder Nordsee, wurde als langweilig verpönt. So kam es dazu, dass ich mit fast 28 Jahren zum ersten Mal die Heimat meines Urgroßvaters sah. Meine Oma zeigte mir die alten Fotos und Stiche von der Insel. Vor allem einige, die die Insel vor dem zweiten Weltkrieg zeigen, es muss ein sehr schöner Ort gewesen sein. Diese sind besonders spannend, wenn man heute einmal auf der Insel war. Sie zeigen meine Oma als Kleinkind auf der damals noch schönen Landungsbrücke, meinen Urgroßvater als blonden, großen Mann beim Sport treiben auf der Düne, einige Bilder ihrer Eltern beim Ausbooten (ein höchst befremdlicher Vorgang, bei dem die Passagiere von großen Schiffen in kleinere Börten, das sind hochseetaugliche, aber kleine Fischerboote, geworfen werden), Bilder von dem damals im Familienbesitz befindlichen Hotel, von dessen Silberlöffeln ich mir schon als Kind die Mundwinkel aufgeschnitten hatte und weitere kleine und sympathische Details eines mir völlig fremden Lebens. (Die Liebesgedichte und Bonmots meines Urgroßvaters an meine Urgroßmutter gerichtet, nicht selten ausgesprochen anzüglich, stellen dabei ein besonderes Highlight da.) Außerdem erklärt sich dadurch die nordische Hälfte der Einrichtung meiner Oma, sowie ihre Vorliebe für Literatur und Gedichte. (Schließlich gibt es im Winter auf der Insel kaum etwas zu tun und mein Ururgroßvater soll möglicherweise Betreuer der helgoländischen Leihbücherei gewesen sein...)

Read More 9 Comments