AB AN DEN GOLF

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Was vom Tage übrig bleibt, Persischer Golf, Iran

Unverrichteter Dinge kehre ich aus Teheran nach Isfahan zurück. Kaum dort, steigen wir in der Dunkelheit in einen Minibus, der uns in den Süden des Landes bringen soll. Sobald das Dach beladen ist, die Rucksäcke festgeschnürt und alle Mann an Bord sind, werden die Vorhänge geschlossen, die Musik aufgedreht und das Fest beginnt. Nacheinander stehen die Anderen von ihren Sitzen auf und tanzen auf dem schmalen Gang während der Bus mit hundert Sachen durch die Nacht braust. Ich schaffe es nur mit Schwierigkeiten, den Tanzaufforderungen auszuweichen. Mir ist das Tanzen im Iran unangenehm. Auch hier möchte ich am liebsten fliehen. Am Ende gibt es nur eine Möglichkeit. Ich schließe die Augen und ziehe mich zurück in meinen eigenen Kopf. Dort ist es friedlich, weit ab von schlechten Witzen und übergriffigen Persönlichkeiten. Ich habe zu diesem Zeitpunkt bereits jegliche Toleranz und den sonst immer spürbaren Wunsch, kulturellen Begegnungen offen entgegenzutreten, verloren. In mir ist etwas gestorben und ich schaffe es nicht, meine angeborene Neugierde für fremde Menschen und andere Kulturen wachzuhalten.

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ALAMUT - ZU ZWEIT

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Silhouette jumping, Alamut Castle, Qazvin, Iran

Aus der Wüste musste ich wieder einmal nach Teheran zurück, um mich mit J., meinem Reisepartner für Pakistan, gemeinsam um das entsprechende Visum zu bemühen. Wir hatten beide keine Lust, uns der Hauptstadt hinzugeben und so beschlossen wir gemeinsam in das Tal der Assassine zu fahren, Bergluft zu atmen und anzutesten, ob wir gemeinsam reisen konnten.

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YAZD UND DIE WÜSTE

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Über den Dächern von Yazd, Iran

In Yazd war ich ziemlich fertig mit meinen Nerven. Hätte ich mich aus dem Iran herausbeamen können, hätte ich es gemacht. Aber da ich zu dem Zeitpunkt noch die Hoffnung hegte über Land durch Pakistan weiterreisen zu können, biss ich die Zähne zusammen und machte weiter. Ich hatte vor zu schreiben und irgendwie die letzte Nacht in Tehran zu vergessen.

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DAS „ÜBERLEGENE“ GESCHLECHT

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Ich hätte meine Zeit im Iran nicht überlebt ohne das Wissen, dass es eine Welt gibt, in der Frauen wie ich existieren. Vieles von dem, was hier steht, habe ich schon oft gelesen oder gehört. Es ist nichts Neues, jedoch habe ich es im Iran emotional auf einem Level verstanden wie noch nie zuvor. Der Iran hat mich vollends zur Männlichkeitshasserin gemacht. Ich kann stundenlang darüber reden, wie schrecklich Männer sind und nur mit einem Satz am Ende andeuten, dass ich auch tolle kenne (allerdings meistens keine von hier). Ich habe genau einen vertrauenswürdigen Iraner in meiner Zeit dort kennengelernt. Einen Einzigen. Alle anderen meinten, dass ich früher oder später mit ihnen schlafen müsste, dass sie ein Recht auf meinen Körper hätten. Auch beim Schreiben werde ich noch wütend und der Hass steigt mir in heißen Wellen den Nacken empor.

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ISFAHAN oder M&M

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Spiegeldecke, Isfahan, Iran

Isfahan ist mit Recht eine der Hauptattraktionen des Iran und für mich wichtig, nicht wegen der tollen Paläste, der spannenden Feuertempel und der großen Moscheen, sondern weil ich hier M. & M. kennengelernt habe. Sie nehmen mich auf und bieten mir ein Zimmer und einen Schlafplatz im Austausch für Englisches Sprachtraining. Sie sind ganz anders als alle anderen Iraner, die ich bisher kennengelernt habe. Sie stehen voll im Leben und versuchen den Regeln ihres Landes nach zu leben. Sie sind nicht tief gläubig, aber doch gläubig.

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