POKHARA AD FINITUM

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Der Himmel über Pokhara, Nepal

Ich entscheide mich dafür, einen weiteren Treck zu machen, den Anapurna Circuit. Ich besorge mir die Permits, kaufe Eispicken, Wanderstöcke und Proviant. Als der Tag kommt an dem ich loslaufen soll, bleibe ich im Hostel. Dieser Treck würde mich reizen, jedoch ahne ich nicht, was mich eigentlich zurückhält. Ich treffe eine junge Amerikanerin beim Frühstück und erzähle ihr von meinem Zögern zurück auf den Treck zu gehen. Sie ist bis zum Anapurna Base Camp gelaufen und versteht sofort. Sie erzählt mir von den Nahtoderfahrungen an Berghängen und von den zwei Touristen, die auf dem Weg nach oben gestorben waren. Der eine, weil er seine Symptome ignoriert hat, der andere, weil der Helikopter wegen schlechten Wetters nicht rechtzeitig einfliegen konnte.

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HOLI

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Kathmandu während des Holi Festivals, Kathmandu, Nepal

Kaum aus dem Kloster entlassen, steht mir Holi bevor. Holi wird in Deutschland als das indische Farbenfest bezeichnet, ist jedoch viel mehr als nur eine Zelebration der Farbpulver die an diesem Tag durch die Luft geworfen werden. Es wird der Frühling begrüßt und jede Farbe bringt einen Segen. Hier ist es der erste wirklich warme Tag. Wir bekommen vom Fest nur das mit, was auf der Straße stattfindet: eine ausgelassene Farben und Wasserschlacht. Es ist eines der ältesten hinduistischen Feiertage und in vielen Aspekten unserem Karneval nicht unähnlich. Zum ersten Mal erleben wir die Nepalesen ohne die gesellschaftlichen Restriktionen des Kastenwesens und voller Übermut, mit einer gesunden Dosis Alkohol im Blut. Die sonst so friedliebend erscheinenden Einheimischen, zeigen nun ihr verspieltes und übermütiges Wesen und jagen uns durch die Straßen. Kleine Kinder werfen Wasserbomben aus der Sicherheit der Balkone und testen die Limits der Erwachsenen. Es ist kein Wunder, dass sich dieses Fest weiter Beliebtheit erfreut. Nur bei den Frauen höre ich ausschließlich Missmut. Frauen meines Alters nehmen meisten nicht teil. Junge Mädchen, die zum ersten Mal den Geschmack von Freiheit schmecken, ergeben sich dem Rausch, bleiben jedoch immer in Gruppen. Ich fühle mich maximal unwohl in dem Gedränge, kann den Stress und das Gefühl gejagt zu werden nicht von mir schütteln. Ich merke wieder einmal, dass ich übermütige Männer nicht tolerieren kann. Auch hier wird die Ausgelassenheit dazu genutzt Ärsche und Brüste zu betatschen und ungewollte Küsse zu rauben. Es ist überall dasselbe.

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TIBETISCHES NEUJAHR: LOSAR

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Mönche während des Gesangsunterrichts, Kopan Monaestery, Nepal

Über die Wände und den Boden spüre ich die Vibration des Gongs mehr als das ich den Ton höre. Mit dem Gong klingen Glocken, traditionelle Oboen und der nie abreißende tibetische Kehlkopfgesang, der wie eine knatternde Motorsäge über die Lautsprecher hallt. Ich sitze ganz hinten in der Stupa, in der Hierarchie hinter den Lamas, den Nonnen und Mönchen. Die Nonnen und Mönche sind zwischen fünf und hundert Jahre alt. Sie sitzen in Reihen, getrennt nach Geschlechtern, zwar nicht streng, aber doch sortiert nach Alter. Am Ende, in meiner Nähe, sitzen die jüngsten Nonnen in Grüppchen, getrennt durch ältere Nonnen, die sie regelmäßig zur Ordnung rufen, ihnen Süßigkeiten zustecken oder ihre Tücher arrangieren. Die jungen Mönche und Nonnen kommen häufig sehr früh in die Klosterschule. Mir erscheinen sie furchtbar jung und zerbrechlich. Ich kann mir kaum vorstellen, wie grausam es gewesen sein muss die eigene Familie so früh zu verlassen, dabei sehen sie alle fröhlich aus, wie sie da in Reih und Glied mit ihren älteren Schwestern und Brüdern sitzen.

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SPIRITUELLE UMWEGE

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Teachings in action, Kopan Monastery, Nepal

Zurück in Pokhara steige ich nach fünf Tagen zum ersten Mal wieder unter die Dusche. Ich lasse das Wasser über meine Schultern perlen, genieße die Wärme die meinen Muskeln lang ersehnte Erleichterung bringt und den Geruch von Shampoo. Meine Beine schmerzen nach dem Tagesmarsch bergab. Jede Treppenstufe erweckt eine ziehende Erinnerung daran, was ich gerade bewältigt habe. Nach der Dusche strecke ich mich auf meinem Bett aus und falle prompt in einen tiefen Schlaf. Geweckt werde ich am Abend von S. Sie hat während ich mich den Mardi Himal hinauf getrieben habe, den Poonhill Trek bewältigt und gemeinsam werden wir nach Kathmandu reisen. Sie ist auf einer spirituellen Reise, war in Indien im Ashram und will hier in Nepal ins Kloster gehen. Ich bin neugierig und schließe mich an.

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AUF 4.500 METERN

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Der Nachthimmel aus unmittelbarer Nähe, Mardi Himal Trek, Nepal

Als ich mich um 4.30 aus meinem Schlafsaal pelle höre ich keine Geräusche. Ich ziehe mich an, mache mich fertig und trete heraus aus der Hütte. Der Sternenhimmel ist klar, der Mond leuchtet hell, aber ich bin die Einzige die bereit steht. Die Anderen schlafen wohl noch. Ich habe ein bisschen Angst, dass ich, wenn ich mich nochmal hinlege, nicht den Berg hinauf kraxeln werde. Schließlich weiß ich ja jetzt, dass es verdammt anstrengend wird und so richtig fit fühle ich mich nicht. Mein Kopfschmerz ist wieder ein wenig zurück gekehrt, aber ich denke lieber nicht darüber nach. Dieses mal mache ich mich ohne Gepäck auf den Weg, das lasse ich in der Hütte. Ohne Frühstück und mit einer Flasche Wasser im Gepäck suche ich mir meinen Weg mit der Kopflampe. Es ist schwierig, den Anfang zu finden, da der Weg erst wenn es steil wird eindeutig markiert ist. Hier unten auf den Wiesen gibt es nur ein paar ausgetretene Wege, die entweder zum Pfad, oder ins Nichts führen. Bald stehe ich jedoch vor der ersten Markierung und taste mich weiter voran.

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