KUNMING

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Das Zentrum der Stadt bei Nacht, Kunming, China

Kunming ist eine große Stadt. Nicht in den Augen der Chinesen, aber für mich schon. Dabei hat es nur 6,7 Millionen Einwohner. Das gibt es in China häufiger. Am Bahnhof steige ich zum ersten mal mit meinem gesamten Gepäck auf einen Skooter. In der Abenddämmerung gleite ich durch den Verkehr, nach hinten gelehnt, damit ich den Fahrer nicht berühren muss. Ich und mein Gepäck sind ziemlich schwer und somit schlagen wir bei jedem größeren Buckel auf die Stoßdämpfer. Es ist erfrischend, das Haar wehen zu lassen und die Nase in den Fahrtwind zu strecken. Mit einer Hand halte ich mich fest, mit der anderen werfe ich einen Blick auf die Karte. Ich bin an einen guten Fahrer gekommen. Er nimmt den direkten Weg, macht keine Umwege und redet nicht. Ganz nach meinem Geschmack.

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DIE BIS JETZT LÄNGSTE ZUGFAHRT

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Das zentrum Lhasa's und der Beginn meiner Reise, Tibet, China

Vom Zentrum Lhasas kämpfe ich mich zum Bahnhof. Wegen einer Fehlübersetzung der Rezeptionsfrau, die mir sagte dass das Taxi 15 Yuan kostet, anstelle der überteuerten 50 Yuan, die er tatsächlich verlangt hat, sitze ich geschlagene 20 Minuten auf der Rückbank. Letztendlich gebe ich ihm die 30 Yuan, die auf seinem Meter stehen. Er ist beleidigt und ich bin angefressen. Durch meinen kleinen Standoff habe ich noch dreißig Minuten, um meinen Zug zu erwischen. Das Gelände ist riesig. Um zum Eingang zu gelangen muss ich in Schlangenlinien über den Vorplatz laufen, durch zwei Sicherheitskontrollen und in ein Nebengebäude, um mein Ticket zu bekommen. Ich stehe geschlagene 20 Minuten in der Schlange. Als ich endlich an der Reihe bin, lädt mein Handy die Datei nicht auf der meine Ticketnummer steht, weil es zum Speicherplatz sparen in die Cloud gesendet wurde, sodass nur ein verpixeltes schwarz-weiß Bild zu sehen ist. Ich komme ins Schwitzen, stelle mich dumm und lege meinen Ausweis vor. Zum Glück reicht das. Sie gibt mir zwei Tickets und ich schleppe mich wieder heraus aus dem Gebäude, um bis zum Hauptgebäude zu laufen, in dem ich den Bahnhof vermute. Bingo. Hier finde ich Tafeln und uniformierte Beamte, die nun zum vierten Mal meinen Pass und dieses Mal auch meine Tickets kontrollieren. Da ich die chinesischen Schriftzeichen nicht entziffern kann, laufe ich der Herde hinterher. Denn obwohl der Bahnhof in Lhasa eine riesige Anlage ist, fährt nur ein Zug ab. Alle gehen in die selbe Richtung und ich folge.

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LHASA ODER DAS LEBEN IN TIBET

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Lhasa ist eine Stadt gefangen zwischen Fortschritt und Tradition, Tibet, China

Lhasa ist ein besonderer Ort. Hier laufen die Bettler mit Stofftaschen voller Geld umher (auch wenn diese nur mit Pfennigscheinen gefüllt sind) und die Einheimischen tragen indische Cowboyhüte. Das Sonnenlicht fällt gleißend in die ungeschützte Iris eines jeden Dummkopfes der Sonnenbrille oder Hut zu Hause lässt (oder wie ich auf der Rückbank eines Taxis vergisst). So gut wie jeder scheint ein Pilger zu sein. Drei Pilgerrouten führen durch die Stadt: die ehemalige Stadtgrenze (Lingkhor) entlang, um den Jokhang-Tempel und Teile der Altstadt (Barkhor) herum, im Innenhof des Jokhang-Tempels (Nangkhor) und um den Winterpalast. Das monotone Gemurmel der buddhistischen Mantras, das rhythmische Spinnen der Gebetsmühle und das schabende Geräusche welches ihre Handschützer machen, wenn die metallenen Oberflächen über das Pflaster kratzen, während ihre Körper sich lang strecken und der Kopf sich demütig zur Erde senkt, lässt mich sprühende Funken erwarten. Aber die kommen nicht. Es ist eine routinierte Bewegung. Die Menschen gleiten manchmal mühelos, andere vom Alter und der Krankheit verlangsamt aus der 'gen Himmel gestreckten Pose bis auf den Boden. Manchmal sind es Grüppchen, die sich treffen, um sich nebeneinander zu postieren, dabei Sweet-tea oder Butter-tea trinken, andere Male sind es einsame Büßer.

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DREI TAGE AUF DEM DACH DER WELT

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Pause beim Totenkopf, Bergsee und Wüste, Tibet, China

Das Dach der Welt ist ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Die Berge hier in Tibet sehen am Anfang aus wie aus der Autowerbung. Wie die Schweizer Alpen minus der Tannenbäume und der Alpenhütten. Die Straßen sind neu und schmiegen sich wie Schlangen in die Berge. Es ist traumhaft schön. Jedoch verlässt man die weiten Blicke in die Tiefe der Täler und erklimmt schließlich die Ebene auf der kein Baum wächst, auf der das einzige Grün einem Hauch von Moos entspringt und wo türkisblaue Seen die endlose Weite des Himmels reflektieren. Die Landschaft hier oben ist einzigartig, wenn man jedoch trotzdem nach Vergleichen sucht, schießen mir Armenien oder der Südiran im Hochsommer in den Kopf. Allerdings sind Armenien und der Südiran vorwiegend gelb. Tibet ist braun. Es ist eine Steinwüste, in der kein Baum und kein Busch den Menschen vor der grellen und gleißenden Sonne schützt.

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DAS TOR ZU CHINA

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Das Tor zu China, Grenzposten Tibet/Nepal, China

Ein einfaches schwarzes Tor auf nepalesischer Seite wandelt sich auf chinesischer Seite in eine Betonburg. Etwas schüchtern laufe ich an den Wachsoldaten vorbei, in der Hoffnung, dass sie mich ignorieren. Und das tun sie. Der Betonbau hat zwei Flügel. Über dem einen steht ARRIVAL, auf dem anderen DEPARTURE. Ich gehe in den ARRIVAL-Terminal und werde prompt von den chinesischen Dienstoffizieren zurückgepfiffen. Keinen Schritt weiter, junge Dame! Ich werde auf eine grüne Plastikbank gesetzt und warte. Ich schreibe eine E-Mail an das Reiseunternehmen, weil meine nepalesische Sim gerade so noch funktioniert. Geplant war, dass ich am Morgen von der Grenze abgeholt werden sollte. Da Tibet Nepal zwei Stunden voraus ist, bin ich extra früh aufgebrochen. Am Ende komme ich um 9 Uhr an der Grenze an und trotzdem ist noch niemand da. Ich warte insgesamt fünf Stunden, weil ein Rechtschreibfehler in meiner Reisegenehmigung vorliegt und die Chinesen nur perfekte Papierunterlagen akzeptieren. Mein Reiseunternehmen scheint alle Hände voll zu tun zu haben, da sie mich vier Stunden lang vergessen. Alle sind freundlich zu mir, doch zu den anderen Reisenden und den tibetischen Fremdenführern sind die Offiziere es ganz und gar nicht. Hier merke ich endlich mal wieder, dass es Vorteile haben kann, eine Frau zu sein, die alleine reist. Die Chinesen scheinen Kavaliere zu sein.

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