SEWAN SEE

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Sewan See, Sewanawank, Armenien

Am Sewan See bleibe ich genau vier Stunden. Dann beschließe ich entgegen meines ursprünglichen Planes weiterzuziehen. Eigentlich wollte ich hier zwei Nächte wild campen, den spektakulären Sonnenauf und -untergang an diesem einmaligen Ort auskosten, mir Zeit nehmen und durchatmen. Wie in Georgien. In Armenien soll das problemlos gehen, aber ich fühle mich nicht sicher. Dauernd wird mir durch das Gehupe fremder Männer deutlich gemacht, dass ich gesehen werde. Ständig will mir jemand „helfen“ und was für reisende Männer und Pärchen unter dem Begriff „Gastfreundschaft“ oder „Hilfe“ läuft, wird bei allein reisenden Frauen ganz schnell zur Belästigung. Jeder Kontakt fängt gastfreundlich an, das ist hier einfach so, aber zu oft mündet dieser in unangenehmen Diskussionen und Beleidigungen.

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DILIJAN

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Der Herbst ist da, Dilijan Nationalpark, Armenien

Mein Besuch in Dilijan ist geprägt von dem im vorangehenden Post beschriebenen Vertrauensbruch. Ich hatte die Schnauze gehörig voll von Armenien. Dilijan ist eine nette kleine Stadt, aber die Stellung der Frau wurde mir hier immer beklemmender bewusst. Durch R., die ich in Alaverdi kennenlernte, bekam ich Kontakt zu I. und S., ebenfalls Freiwillige. Beide kommen aus Deutschland und bestreiten bereits seit einigen Monaten die armenischen Untiefen. Sie lernen die Sprache, können bereits lesen und haben einige spannende Momente erlebt. Da sie vom European Volontary Service entsandt wurden, haben sie einen armenischen Aufpasser. Das ist Segen und Fluch zugleich. Fluch, weil jede Bewegung beobachtet und kommentiert wird und Segen, weil er tatsächlich unverzichtbar ist. Diese ständige Beobachtung ist ganz typisch für dieses Land. Hier weiß jeder über jeden Bescheid.

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DAS FRAU-SEIN

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Vorsicht wütende Katze, Yerewan, Armenien

Wut. Jedes Wort im folgenden Text ist getränkt von Unverständnis und Wut. Auch zwei Wochen nachdem ich ihn geschrieben habe, kann ich sie noch frisch in meinem Bauch fühlen. Ich lasse diesen Text so stehen wie er ist, weil es beim Reisen zu solchen Situationen kommt. Nicht darüber zuschreiben, wäre meiner Reisedokumentation unwürdig und meinem Empfinden nach unehrlich. Ich habe inzwischen mit vielen reisenden Frauen darüber geredet und allen ist ähnliches oder schlimmeres zugestoßen und das nicht nur beim Reisen. (Was es nicht besser macht, nur zu einer Realität mit der wir leben.)

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ALAVERDI, SANAHIN, HAGHPAT

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Kloster Sanahin, Alaverdi, Armenien

In Georgien setzte ich mich in eine Mashrutka nach Jerewan und drei Stunden später steige ich in Alaverdi aus. Alaverdi ist eine kleine Stadt im Norden Armeniens. Sobald ich aus dem Bus aussteige, merke ich, das hier ein anderer Wind weht. Alle schauen mich an und in kürzester Zeit haben mich vier der ungefähr zehn Taxifahrer am Platz gefragt, wo ich hin will. Ich wimmle sie ab, tausche Geld, kaufe Obst und gehe in einen Handyladen. Dort treffe ich auf eine (der insgesamt vier) Armenierin in dieser Stadt, die perfektes Deutsch spricht. Sie versorgt mich mit der richtigen Simkarte und gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Wieder auf dem Hauptplatz, stürzen sich die Taxifahrer erneut auf mich. Für sie ist es ungeheuerlich, dass ich Bus fahren möchte, kein Taxi. Schließlich bin ich Europäerin und damit ist es meine Pflicht so viel Geld wie möglich auszugeben. Zu Beginn habe ich die Angebote noch freundlich lächelnd abgewiesen, doch nun setze ich eine entschlossene Miene auf und starre den Männern unfreundlich ins Gesicht. Ich ignoriere sie schließlich einfach. Ich habe keine Lust mehr, freundlich zu sein.

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ANGST

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Der Sternenhimmel, Kazbegi, Georgien

Angst. Die spielt bei mir eine große Rolle.

 

Ohne sie geht es nicht. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt meiner Reise.

 

Viele Frauen, denen ich begegne sagen mir: „Das was du machst, würde ich auch gerne machen, aber ich kann das nicht. Ich habe Angst.“

Ich kann das gut verstehen. Ich habe auch Angst.

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