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KASHAN

English text
Dach in Form einer Brust mit überdimensionierten Nippeln, Kashan, Iran

In einigen Aspekten ist Kashan einer der schönsten Orte, die ich im Iran besucht habe. Es ist eher konservativ, die Straßen sind angefüllt mit schwarzgekleideten Frauen und Männern, die glauben es sei in Ordnung fremden Frauen nachzustellen. Trotzdem sie bereits ihren Söhnen beibringen, dass es normal ist, ausländische Frauen durch die engen Gassen zu jagen und mit Steinen zu bewerfen, schaffe ich es, mich in die Sicherheit eines Hostels zu flüchten, indem ich das große Glück habe andere Reisende zu treffen mit denen ich mich zusammentue. In Kashan ist die Tourismusindustrie noch nicht etabliert, so dass das Entdecken auf eigene Faust noch möglich ist. Und so habe ich das große Glück alte historische Häuser in diesem Ort auf eigene Faust zu entdecken. Einige sind möbliert, die schönsten jedoch, stehen leer. Die exquisiten Fresken und Wandmalereien geben den altbekannten Formen ein einmaliges Gesicht. In so einem Haus könnte ich auch wohnen, allerdings müsste es leer stehen, denn die Möbel sind immer ein wenig zu viel. Zu pompös. Zu wahnwitzig verziert.

Von außen wirken diese Wüstenstädte sehr dezent. Hinter den sandgelben Mauern, die die Gassen einsäumen, verbergen sich große und kleine Häuser. Manchmal gehen sie drei Stockwerke in den Boden hinab, manchmal reiht sich eine Anzahl von Räumen um einen kleinen Innenhof, oder zwei. Fast immer ist in der Mitte ein kleines Wasserspiel. Die Jahrtausende alten Wasserkonstruktionen sind auch heute noch funktionsfähig. Überall in der Stadt sieht man Treppen die bis tief unter die Erde führen. Einige von ihnen führen zu einer unterirdischen Stadt, die die Bewohner dieses historisch wohl stark umkämpften Gebietes vor Angriffen schützte, andere führen zu Wassertürmen die tief in die Erde gehen und das Regen- und Dunstwasser aus der Wüste sammeln. Es ist einer der Orte von denen Geschichten erzählen.

In männlicher Begleitung erkunde ich einen der zahllosen historischen Hammams und genieße den Sonnenuntergang auf dem von brustähnlich geformten Dächern. Der Blick über die Stadt ist wunderschön und trotz der Satellitenschüsseln (die im Iran natürlich verboten sind) die die Zeitlosigkeit dieses Blickes aufbrechen, bleibt es einer der schönsten Momente auf meiner Reise. Still und über der Stadt, weit weg von den Bewohnern. Auf dem Bild ist es nicht halb so schön wie in der Realität.

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